Es war nicht alles erhellend, manches kurios und vieles kritikwürdig
Öffentlich-rechtliche wie private TV-Sender haben alles gegeben. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ein Großteil der Wählerinnen und Wähler eines der vielen Interviews und TV-Duelle, eine der Paarungen zu dritt oder zu viert oder eine der Wahlarenen mit Publikumsfragen gesehen hat. Die Quoten waren sehr gut. Die Wortgefechte vor Millionenpublikum sollten der Mobilisierung der Bevölkerung und damit der Wahlbeteiligung geholfen haben. Und das ist eine gute Botschaft für die Demokratie. Es war nicht immer alles erhellend, manches kurios, vieles kritikwürdig. Unter dem Strich aber haben die TV-Begegnungen der Spitzenpolitiker und ihre Befragungen durch Menschen aus dem Publikum den Wahlkampf bereichert. Es hätte in diesem kurzen Winterwahlkampf sonst deutlich weniger Möglichkeiten gegeben, sich ein Bild von den Persönlichkeiten der Kandidatinnen und Kandidaten sowie von ihren Inhalten zu machen. Klar: Die komplexen Themen werden nicht immer so diskutiert, dass sie wirklich jeder nachvollziehen kann. Und wenn alle durcheinanderreden, ist es unmöglich, Fakten von Falschbehauptungen zu unterscheiden.
Debatten waren überwiegend sachlich und fair
Nach den harten unversöhnlichen Auseinandersetzungen der Sitzungswoche im Februar im Bundestag konnte das Publikum feststellen, dass die meisten Spitzenpolitiker auch konstruktiv streiten können. Der Ton in den TV-Studios enthielt weniger Häme und Polemik als zuletzt im Bundestag. Und auch wenn längst nicht alle Moderatoren ihrer Rolle als Dompteure in den Wahlkampfarenen gerecht werden konnten und man vielfach die Kandidaten besser hätte befragen müssen, so waren die Debatten überwiegend sachlich und fair. Und die AfD? Bei einer Partei, die in Teilen als rechtsextrem gilt, gibt es viele gute Gründe, sie anders zu behandeln als die einwandfrei demokratische Konkurrenz. Die Sender haben aber gut daran getan, auch die AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel zu den großen Runden einzuladen. Dank der Beteiligung konnte sich die AfD nicht als Opfer des Systems darstellen und das Publikum hatte die Chance, sich ein Bild davon zu machen, wie wenig die Parolen der AfD mit fachpolitischen Konzepten unterlegt sind. – Man muss sich wirklich nicht alles anschauen. Das große und vielfältige Angebot ist aber sinnvoll.
Quelle: Eva Quadbeck in RN (DZ) vom 21. Februar 2025