In Regalen mancher Supermärkte werden muslimische Artikel angeboten
Für Muslime in Deutschland begann der Fastenmonat Ramadan im Jahr 2025 am 1. März und endet am Samstagabend des 29. März. Das Fasten gehört wie das Glaubensbekenntnis, die täglichen Gebete, die Armensteuer und die Pilgerfahrt nach Mekka zu den fünf Säulen des Islam. Der Monat Ramadan, der neunte im islamischen Mondjahr, wandert durch das Kalenderjahr.
Dass der muslimische Fastenmonat Ramadan begonnen hat, zeigt auch ein Blick in die Regale der deutschen Supermärkte: Dort finden sich Ramadan-Kalender und Dekoartikel. Süßigkeiten, Bastelzeug und andere Überraschungen: Wenn Muslime in Deutschland den Fastenmonat Ramadan begehen, dürfte das ein oder andere Kind sich auch über einen Ramadan-Kalender freuen. Sie sind angelehnt an den christlichen Adventskalender und bestehen aus 30 Feldern beziehungsweise Tüten oder Säckchen – für jeden Abend des Ramadan einen. In jedem Behältnis befindet sich ein Geschenk oder etwas Süßes. Ramadan-Kalender gibt es inzwischen in vielen Varianten, Preislagen und von etlichen Herstellern. Mit den Schriftzügen „Ramadan Mubarak – Gesegneter Ramadan“ oder „Magic Ramadan“ auf orientalischen Bildmotiven stehen sie mittlerweile in vielen deutschen Supermärkten und anderen Geschäften im Regal. Neben Kalendern finden sich auch vermehrt Dekoartikel wie Kerzenständer oder Produkte mit Ramadan-bezogenen Aufschriften sowie Lebensmittel, die speziell zur muslimischen Fastenzeit angeboten werden, im Einzelhandel. In Städten wie Frankfurt oder Köln gibt es während des Ramadans außerdem spezielle Beleuchtungen im Stadtbild. Je nach Region variiert jedoch die Nachfrage: In Kommunen und Städten mit einem höheren Anteil an muslimischen Bewohnern werden die Angebote im Handel zum einen eher angepasst, andererseits aber auch stärker von den Kundinnen und Kunden nachgefragt.
Das Angebot der Supermärkte spiegel gesellschaftliche Vielfalt wider
Der Islamforscher Bekim Agai bewertet diesen Trend grundsätzlich erst einmal positiv: „Die muslimische Fastenzeit wird hier sichtbarer und das hat natürlich auch etwas Integratives.“ Das bedeute für Menschen muslimischen Glaubens auch eine gewisse Teilhabe, sagt der Wissenschaftler von der Goethe-Universität Frankfurt. Das Angebot der Supermärkte spiegele eine gesellschaftliche Vielfalt wider. Dennoch betont Agai, dass Angebote wie ein Ramadan-Kalender auch eine gewisse kulturelle Anpassung bedeuten – mit dem Vorbild des Adventskalenders. Denn ein Äquivalent dazu gebe es in muslimischen Ländern nicht. Dort werden Kinder lediglich zum Ende des Ramadans beschenkt. Agai sieht darüber hinaus eine Möglichkeit des kulturellen Austauschs. „Wenn ich bei meinem Nachbarn Ramadan-Deko im Fenster sehe, ist das vielleicht auch eine bessere Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen, als über theologische Inhalte“, sagt er.
An den Angeboten im Handel gibt es auch innermuslimische Kritik
In Deutschland handele es sich gewissermaßen um einen „nachholenden Trend“. In anderen europäischen Ländern wie beispielsweise Frankreich oder England seien Großsupermärkte schneller darin gewesen, „die Zusammensetzung der Bevölkerung in der Produktpalette wiederzugeben“. Deutsche Supermärkte hätten erst in den vergangenen zehn Jahren damit begonnen, Produkte aus Osteuropa, dem Balkan oder der Türkei in das Sortiment aufzunehmen. An den Angeboten der Supermärkte gebe es aber auch innermuslimische Kritik: Durch die Kommerzialisierung gehe die spirituelle und festliche Seite des Ramadans verloren. „Da gibt es auch Muslime, die von so einem Konzept des Ramadan-Kalenders nichts halten und diesen nicht bei sich zu Hause haben wollen, weil es ihnen als eine Übernahme des Weihnachtskalenders erscheint“, sagt Agai.
In den 2140 dm-Märkten führten rund 900 Ramadan-Kalender
Auch die Drogeriekette dm führt seit Januar 2024 einen Ramadan-Kalender zum Fastenmonat im Sortiment, sagte Marcel Rieser, Geschäftsbereichsverantwortlicher Sortiment und Digital Business bei dm. „Tendenziell stoßen die Kalender insbesondere in großen und oft kulturell diversifizierteren Ballungsräumen auf Kundenzuspruch.“ In Deutschland führten dieses Jahr rund 900 der mehr als 2140 dm-Märkte Ramadan-Kalender im Sortiment. Das Feedback zu den Kalendern falle überwiegend positiv aus. Das Einzelhandelsunternehmen Woolworth hat bereits 2023 erstmals einige wenige Artikel zum Ramadan angeboten. „Der Verkauf war als Test gedacht, um die grundsätzliche Nachfrage unserer Kundschaft zu ermitteln“, erklärt Pressesprecher Roland Rissel. „Die Artikel waren bei unserer Kundschaft und auch bei unserer Belegschaft sehr beliebt, weshalb wir uns schnell dazu entschlossen haben, auch 2024 und 2025 eine Ramadan-Kollektion anzubieten.“ Das Konzept scheint anzukommen: Einige Artikel seien dieses Jahr bereits nach kurzer Zeit ausverkauft gewesen, sagte Rissel.
Quelle: RN (DZ) vom 1. März 2025
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