Handwerksbetrieb erhielt über 20 dubiose Bewerbungen aus Nordafrika
Die Agentur für Arbeit erklärt, wie man nicht in die Falle tappt. Seit September 2024 sucht die Treppen- und Innenausbaufirma Hermschulte aus Recklinghausen über die Agentur für Arbeit einen Auszubildenden und einen Tischlergesellen. Und seit etwa dieser Zeit wundert sich Geschäftsführer Max Hermschulte (37) über an die 20 Initiativ-Bewerbungen aus dem Ausland, die per Mail bei ihm ankommen. Junge Männer aus Marokko oder dem Iran preisen seitenlang ihre Qualifikationen und ihr Können an. „Was steckt dahinter?“, fragt er sich. Zunächst liefen seine Recherchen ins Leere: Bei der Polizei Recklinghausen sind solche Fälle bisher nicht bekannt. „Es gibt auch keine Anzeigen zu solchen rätselhaften Bewerbungen“, bestätigt ein Sprecher. Ludger Blickmann, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Recklinghausen, verneint unsere Anfrage ebenfalls. Trotzdem warnt der Fachmann ganz ausdrücklich vor solchen mysteriösen Anfragen.
„Finger weg und Absender sperren!“
„Wir haben hier selbst vor einigen Jahren ähnliche Bewerbungen aus Nordafrika erhalten. Auf den ersten Blick wirkt das Ganze seriös, aber man muss genauer hinschauen. In unserem Fall sollten wir zunächst eine Summe überweisen, um die kompletten Unterlagen zu erhalten.“ Aber auch, wenn es diesmal um seitenlange Bewerbungen mit zahlreichen Nachweisen, vom Führerschein bis zur Sprach-Qualifikation gehe, rät Ludger Blickmann dringend ab, mit dem Absender Kontakt aufzunehmen. Für den 56-Jährigen ist der Fall klar: „Finger weg, den Absender sperren und ab in den Spam-Ordner mit den Mails!“ Denn es gebe ganz offizielle Wege, Fachkräfte aus dem Ausland für deutsche Handwerksbetriebe, die Industrie oder den Pflegebereich zu gewinnen. „Seriöse Anfragen laufen in der Regel nicht über private Initiativen. Es ist immer eine offizielle Instanz zwischengeschaltet.“ So arbeite zum Beispiel das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (Mags) mit Handwerkskammern oder anderen offiziellen Organisationen zusammen, um den Fachkräftemangel in Deutschland zu kompensieren. „Auch im Herkunftsland der Bewerber sind dortige Ministerien etc. eingebunden“, erklärt Ludger Blickmann. Entsprechend würden die seriösen Bewerbungen von den offiziellen Stellen auch anders kommuniziert. Bei der Agentur für Arbeit in Recklinghausen haben sich zuletzt ebenfalls keine betroffenen Betriebe gemeldet. Allerdings sind solche Bewerbungen bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) deutschlandweit nicht unbekannt. „Es handelt sich meistens um private Agenturen, die Stellen aus unterschiedlichsten Jobbörsen dazu nutzen, um sie Interessenten aus dem Ausland vorzuschlagen, die hier arbeiten oder eine Ausbildung absolvieren möchten. Mit der Bundesagentur für Arbeit haben diese Bewerbungen nichts zu tun“, betont Sprecher Ulrich Brauer.
Fehlende Deutschkenntnisse sind größtes Problem
Die BA könne aber bestätigen, dass es schon traditionell ein wachsendes Interesse in Nordafrika an einer Ausbildung oder Arbeit in Europa und in Deutschland gibt. Die Ausgangsbedingungen in diesen Ländern seien auch gut für eine Ausbildung. „Viele Marokkanerinnen und Marokkaner verfügen über die schulischen Qualifikationen, die man für eine berufliche Ausbildung benötigt. Wobei in der Regel die Deutschkenntnisse fehlen. Das ist das größte Hemmnis. Alle Aussagen gelten auch für den Iran“, so Brauer. Tatsächlich habe die BA sogar ein Projekt mit Tunesien, Ägypten und Marokko, bei dem es um Auszubildende oder Fachkräfte im gewerblich-technischen Bereich, vor allem im Handwerk, geht. Beim sogenannten THAMM-Projekt spiele Marokko die stärkste Rolle. Wie Ludger Blickmann bestätigt auch Ulrich Brauer: „Die Rekrutierungs-Projekte der BA finden immer als Kooperation mit den Ländern und deren Verwaltungen statt.“ Und an diese Projekte, gerade im Handwerk, könnte auch die Aktivität der möglichen privaten Vermittlungs-Agentur anknüpfen, die die gleichlautenden Bewerbungen in Serie produziert. „Man muss gar nicht das Schlimmste hinter den Bewerbungen vermuten, schließlich gibt es viele junge Marokkaner, die wirklich eine Ausbildung in Deutschland machen wollen, und viele bringen die passenden Voraussetzungen mit. Doch eine Garantie, dass die Aussagen aus den Bewerbungen zutreffen, kann niemand geben.“
Bei der Zentralstelle der Bundesanstalt für Arbeit wenden
Wer sich für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus einem dieser Länder interessiert, kann sich an die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung der Bundesanstalt für Arbeit (ZAV) wenden. Nach den Erfahrungen von Max Hermschulte rät Ludger Blickmann zur Vorsicht und bittet alle Betriebe in der Region, ähnliche mysteriöse Bewerbungen bei der Kreishandwerkerschaft Recklinghausen zu melden, um die Vorfälle gegebenenfalls mit den Strafverfolgungsbehörden abzuklären.
Quelle: RN (DZ) vom 22. Februar 2025
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