Kitas in NRW 2025

Starke Arbeitsbelastung führt zu hohen Ausfallquoten beim Personal

Kinder könnten aufgrund des Erzieherinnenmangels nicht so betreut werden, wie die Wissenschaft es empfiehlt, beklagen Kitaleiter in NRW. Die starke Arbeitsbelastung führt zu hohen Ausfallquoten beim Personal. – In den nordrhein-westfälischen Kitas kommen zu wenige Erzieher auf zu viele Kinder. Zu diesem Ergebnis kommt die jährliche Kita-Leiterstudie des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Demnach forderten 63 Prozent der befragten Einrichtungsleitungen einen besseren Personal-Kind-Schlüssel, 55 Prozent wünschten sich kleinere Gruppengrößen. Die Studie gibt auch Aufschluss darüber, wie das Betreuungsverhältnis in der Realität ist: Demnach gaben 82,5 Prozent der Einrichtungsleitungen an, dass im Bereich der unter Dreijährigen eine Fachkraft auf 5,3 Kinder komme, bei den älteren Kindern nannten 59,3 Prozent der Einrichtungen ein Verhältnis von einer Fachkraft für 9,7 Kinder. Von der Wissenschaft empfohlen ist für Kinder unter drei Jahren jedoch ein Verhältnis von einer Fachkraft je drei Kindern und für die Ü3-Kinder ein Schlüssel von eins zu 7,5.

Mit weniger Personal gearbeitet als vorgeschrieben

60,5 Prozent der Kitaleitungen erklärten, dass sie mindestens zweieinhalb Monate lang mit weniger Personal als zulässig gearbeitet hätten. Für 16,4 Prozent dauerte dieser Zustand sogar länger als sieben Monate. Die NRW-Landesvorsitzende des VBE, Anne Deimel, warnte, dass die hohe Arbeitsbelastung zu Fehlzeiten und Krankschreibungen führte: „Es entsteht eine Art Teufelskreis im System, dem nur schwer zu begegnen ist“, sagte sie. Zusatzangebote für die Kinder, wie etwa Naturerfahrungen in Wald und Wiese, seien unter den Gegebenheiten oft schwer zu realisieren, erklärte der VBE. Dabei gaben drei Viertel der Leitungen an, dass die Kinder lieber in der Natur als in den Räumen spielen würden.

Die Befragung enthält aber auch positive Botschaften:

So scheint der Negativtrend in so mancher Kita gestoppt zu sein. Zwar gaben immer noch 68,6 Prozent an, dass sich der Mangel in den zurückliegenden zwölf Monaten verschärft habe und die Stellenbesetzung noch schwieriger geworden sei. Allerdings sind das 19,2 Prozentpunkte weniger als noch in der Kita-Leiterstudie aus dem Jahr 2024.
„Wir sehen, wie das gesamte System Kita in den vergangen zehn Jahren stark gewachsen ist, sowohl bei den Betreuungsplätzen, aber entsprechend auch beim Bedarf von engagierten Kräften, die in unseren Kitas arbeiten. Ich habe daher großes Verständnis dafür, dass die Personalsituation für viele Beschäftigte nicht zufriedenstellend ist“, sagte NRW-Familienministerin Josefine Paul (Grüne) unserer Redaktion. „Sie erwarten zurecht, dass wir als Politik hier handeln.“

„Die Kitas in Nordrhein-Westfalen stecken in einer strukturellen Krise“

Daniela Heimann vom Landeselternbeirat der Kindertageseinrichtungen in NRW erklärte gegenüber den Ruhr Nachrichten (Dorstener Zeitung), der Fachkräftemangel bestimme weiterhin den Alltag in den frühkindlichen Bildungseinrichtungen. „Gerade in den vergangenen Herbst- und Wintermonaten war ein Arbeiten im Rahmen der konzeptionellen Ausrichtungen von Kitas teilweise nicht möglich. Das Sicherstellen des Betriebes bei personellen Ausfällen hat oftmals dazu geführt, dass Gruppen zusammengelegt werden mussten oder das spezielle Bildungsangebote ausgesetzt wurden.“
Oppositionspolitiker verlangten angesichts der Studienergebnisse mehr Anstrengungen vom Land. „Die Kitas in Nordrhein-Westfalen stecken in einer tiefen strukturellen Krise. Wenn fast jede zweite Kitaleitung den eigenen Beruf nicht mehr weiterempfiehlt, ist das ein ernst zu nehmendes Signal, das die Landesregierung nicht länger ignorieren darf“, sagte Marcel Hafke, familienpolitischer Sprecher der FDP. Der familienpolitische Sprecher der SPD, Dennis Maelzer, warnte davor, dass die Bedingungen für alle Beteiligten denkbar schlecht seien und immer schlechter würden. „Steigende Krankenstände, geschlossene Kitas sind da die dramatische, aber fast schon logische Folge. Das ist die schlechte Nachricht. Und daran wird auch die ständige Flickschusterei der Landesregierung nichts mehr ändern.“

Siehe auch: Kita
Siehe auch: Kita – NRW-Bertelsmann-Stdio 2024
Siehe auch: Kita-Misere in NRW
Siehe auch:
Kita-Probleme überregionals 2024
Siehe auch: Kindertagesstätten (Kitas)
Siehe auch: Kindertagesstätten-Betreuung


Quelle: Maximilian Plück in RN (DZ) vom 26. März 2025

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