Cannabis-Legalisierung: Probleme

Ein Jahr nach der Legalisierung schlagen Mediziner und Apotheker Alarm

Im Jahr 2024 hatte die Ampel-Regierung Cannabis legalisiert – und ihre Spitzenvertreter freuten sich: „Bubatz bald legal“, schrieb FDP-Chef Christian Lindner auf der Plattform X. „Der Kampf hat sich gelohnt, Legalisierung von Cannabis kommt schon Ostermontag“, erklärte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). „Für den Schwarzmarkt ist das heute hoffentlich der Anfang vom Ende.“ Unterdessen gibt es in NRW 60 Anbauvereine – es könnten aber weitaus mehr sein. Schon zwölf Monate nach der Legalisierung sehen Ärzte, Apotheker und Polizei ihre Befürchtungen bestätigt. Bundesärztepräsident Klaus Reinhardt fordert die Rücknahme der Legalisierung ebenso wie Frank Bergmann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein. „Schließlich hat sich an dem Gefahrenpotenzial der Einstiegsdroge Cannabis nichts geändert, gerade für Heranwachsende“, so Bergmann. Hier könne der frühzeitige Konsum kognitive Defizite wie Aufmerksamkeitsstörungen hervorrufen und weitreichendere Konsequenzen mit Hirnleistungsstörungen zur Folge haben. Ähnlich äußert sich Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: „Cannabis ist als Genussmittel völlig ungeeignet – insbesondere für junge Menschen unter 25 Jahren.“ Er sieht vor allem ein Problem: „Dass der Cannabiskonsum gesundheitlich sehr gefährlich sein kann, ist jetzt nach der Teillegalisierung kaum noch zu vermitteln. Viele Menschen denken: Was legal ist, ist auch ungefährlich.“ Preis fürchtet, das ganze Ausmaß werde die Gesellschaft erst später treffen: „Die Trivialisierung des Cannabis-Konsums durch die Teillegalisierung führt zu mehr Konsum und mehr medizinischen und sozialen Problemen.“

Ein Bürokratiemonster

Vor großen Herausforderungen sehen sich Polizei und Justiz. Denn der Verkauf und die Weitergabe der Blüten bleiben weiterhin illegal. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Alexander Poitz nennt das Gesetz weiterhin „ein Mängelexemplar“. Die Polizei habe täglich mit den „Unzulänglichkeiten“ der Konsumregelung zu kämpfen, sagt er. In einem Positionspapier zum Cannabisgesetz fordert die Gewerkschaft der Polizei die flächendeckende Beschaffung geeigneter Tests sowie empfindliche Strafen bei Verstößen. Eigentlich sollte das Cannabisgesetz die Strafverfolgung und Justiz entlasten. Weit gefehlt, kritisiert der Deutsche Richterbund (DRB). Das Gesetz habe sich „als das befürchtete Bürokratiemonster erwiesen, das Behörden und Gerichten viel unnötige Arbeit aufbürdet“, hieß es von DRB-Geschäftsführer Rebehn. Während Rebehn der Meinung ist, die Teillegalisierung befeuere die Cannabis-Nachfrage auf dem Schwarzmarkt, sieht Hanfverband-Geschäftsführer Georg Wurth positive Tendenzen. Aber auch er meint: „Eigenanbau und Anbauvereine können den Schwarzmarkt nur zum Teil zurückdrängen.“

Seit Mitte des Jahres können Anbauvereine die Droge anbauen

Sie müssen nach dem Konsumcannabisgesetz Auflagen zu Sicherheiten und Kontrollen beachten. Landesweit wurden bislang 157 Anträge von Anbauvereinigungen gestellt, teilte das Gesundheitsministerium mit. Davon wurden bislang 60 Anträge genehmigt, einer wurde abgelehnt. Um den Schwarzmarkt nachhaltig zu bekämpfen, brauche es Cannabis-Fachgeschäfte, sagt Wurth. Das wäre auch für den GdP-Vize eine denkbare Lösung, wie er dem Deutschen Ärzteblatt Anfang März sagte. „Dadurch wären zumindest eine gewisse Verantwortung sowie die Kontrolle staatlicher Institutionen als auch steuerrechtliche Vorteile abzuleiten“, so Poitz. Die Rücknahme der Legalisierung ist eines der Streitthemen bei den Koalitionsverhandlungen im Bund. „Dieses Gesetz schützt Dealer und setzt unsere Kinder und Jugendlichen dem Drogenkonsum und der Sucht aus“, heißt es bei der Union. Die SPD hingegen will an der Legalisierung festhalten.

Siehe auch: Cannabis-Konsum
Siehe auch:
Cannabis in NRW
Siehe auch:
Cannabis-Freigabe
Siehe auch:
Cannabis-Verbotszonen
Siehe auch:
Cannabisverein Recklinghausen
Siehe auch:
Drogenlager in Garage
Siehe auch: Drogenkonsum-Raum-Errichtung?
Siehe auch: Drogenboss Hito J.
Siehe auch: Kriminalität – Drogenszene


Quelle: Antje Höning und Celina Kintopp in RN (DZ) vom 2. April 2025

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