Boden, Dr. Dr. Dieter

International anerkannter UN-Konfliktschlichter im Kaukasus

Geboren 1940 in Dessau, gestorben 2025; Botschafter a. D. – Was ihn mit Dorsten verband, wo einer seiner Brüder wohnt, war vor allem sein Vater Rudolf Boden, der in der Lippestadt als Redakteur arbeitete und durch sein Engagement für Kunst uns Künstler noch vielen in guter Erinnerung ist. Dr. Dr. hc. Dieter Boden erlangte als Diplomat internationalen Ruf, den er als Konfliktschlichter und Leiter der UN-Friedensmission erworben hatte. Er war Sondergesandter des Generalsekretärs der Vereinten Nationen und Leiter der Friedensmission UNOMIG in Georgien. Sein Friedensplan erlangte als „Boden’s Document“ internationale Bekanntheit, um den Konflikt mit Abchasien zu lösen. Heute lebt Dieter Boden im Un-Ruhestand in Potsdam und engagierte sich, wie es sein Vater getan hatte, auch kulturell. –777-b-boden-dr-dieter Dieter Boden besuchte das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Marl, machte dort – zusammen mit dem späteren Grüne-Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele – 1960 Abitur. Er studierte Philologie und Politische Wissenschaften in Münster und Hamburg, wo er 1967 in slawischer Philologie promovierte. 1968 trat er ins Auswärtige Amt (AA) ein und bekleidete bis 1987 verschiedene Positionen in politischen Abteilungen des Außenamtes und in diplomatischen Vertretungen in Moskau, Leningrad/St. Petersburg (Generalkonsul), Antanarivo/Madagaskar (stellvertretender Botschafter) und Rom. 1987 war er als politischer Berater im Bundestag tätig, wurde 1989 stellvertretender Leiter der deutschen Delegation bei den Verhandlungen für die Abrüstung der konventionellen Streitkräfte (KSE) in Wien. Ab 1992 leitete er das Referat für weltweite nukleare Abrüstung im AA und 1995/96 die OSZE-Mission in Georgien. Danach ging Boden für drei Jahre als Generalkonsul der Bundesrepublik nach St. Petersburg, bevor er 1999 Sondergesandter des Generalsekretärs der Vereinten Nationen und Leiter der Friedensmission UNOMIG in Georgien wurde. Von 2002 bis zur Pensionierung 2005 vertrat er die Bundesrepublik Deutschland als Botschafter bei der OSZE in Wien.

Als Wahlbeobachter bei den Präsidentenwahlen in Georgien

Mit dem Staatsdienst endete aber keineswegs sein berufliches Engagement. Seine weltweit anerkannten Erfahrungen auf dem Gebiet der Konfliktlösungen in Krisenregionen stellte er immer wieder anderen zur Verfügung, so auch von 2006 bis 2013 als Lehrbeauftragter an der Universität Potsdam.  2007/08 war Boden Leiter der internationalen OSZE-Mission zur Beobachtung der Präsidentenwahlen in Georgien und war 2009/10 hochrangiger politischer Berater der Regierung von Kasachstan in OSZE-Angelegenheiten. Auf Einladung von politischen Vereinigungen, Universitäten, internationalen Organisationen und Colloquien hielt Dr. Dieter Boden Vorträge über die politischen Verhältnisse in Zentralasien und im Südkaukasus, niahm an internationalen wissenschaftlichen Foren teil und veröffentlichte politische Aufsätze sowie literarische Themen in renommierten Fachzeitschriften und Büchern. 1992 erschien in München sein Taschenbuch „Die Deutschen in der russischen und sowjetischen Literatur“. Bis 2011 war er Vorsitzender der anlässlich des 150. Todestags Puschkins 1987 gegründeten Deutschen Puschkin-Gesellschaft. Die „School of Political Studies“ in Tiflis verlieh ihm die Ehrendoktor-Würde. 2018 erschien von ihm ein vielbeachtetes Buch „Georgien – ein Länderporträt“ (siehe obige Anzeige in deutscher und die untere in georgischer Sprache). Dr. Dieter Boden starb mit 85 Jahren. Die Trauerfeier fand im engsten Familienkreis in Dorsten statt.

Siehe auch: Rudolf Boden


Zum Foto: Dieter Boden im Gespräch mit dem Schulleiter des Marler Albert-Schweitzer-Gymnasiums, Schulte-Ebbert, 2010; Foto entnommen der Homepage der Schule.

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