„RVR-Pläne für Windenergie machen den Arenbergischen Forst wertvoller“
Waldbesitzer Christian Schlehäuser erwägt die Errichtung eines Windrades im Arenbergischen Forst. Umweltbilanz und Wirtschaftlichkeit müssen stimmen. Die Stadt Marl will Windräder im Arenbergischen Forst unbedingt verhindern. Sie weist die Idee, selbst dort Windräder zu errichten und zu betreiben, schon aus Naturschutzgründen weit von sich. Zudem fehlt der überschuldeten Stadt schlicht das Geld für die millionenschwere Investition. Christian Schlehäuser sieht das anders. Der 40-jährige Marler besitzt etwa 45 Hektar des insgesamt 250 Hektar großen Waldgebiets im Marler Westen. „Windräder in einem Wald, das ist ein Abwägungsprozess“, sagt der Land- und Forstwirt: „Drei Faktoren müssen stimmen, die Wirtschaftlichkeit, die soziale Verträglichkeit und die ökologische Gesamtbilanz.“
Neuanpflanzungen mit Laubbäumen
„Wir brauchen einen realistischen Blick auf den Wald“, so Schlehäuser: „Er dient auch der Naherholung, aber er ist sicher kein ökologisch hochwertiger Urwald, sondern gleicht aktuell eher einer Kiefernwüste“. Wie die Stadt Marl verbessert auch Schlehäuser seinen Waldanteil, der öffentlich zugänglich ist, durch Neuanpflanzungen von Laubbäumen. Dennoch sieht er in den Planungen des Regionalverbands Ruhr (RVR), den Wald als Windenergiezone auszuweisen, einen Gewinn. „Die RVR-Pläne machen den Wald wertvoller, dagegen sollte sich auch die Stadt Marl als Haupteigentümer nicht sträuben“, rät er. Etwa 12 Millionen Euro an Baukosten fallen bei der Errichtung eines leistungsstarken Windrades an. In einigen Jahren kann sich Christian Schlehäuser durchaus vorstellen, auf seinem Grund und Boden in Windenergie zu investieren: „Ich bin für Klimaschutz und erneuerbare Energien“, so der Forstwirt: „Wenn die Anlagen am Waldrand liegen und mit einer kurzen Zuwegung auskommen, wenn etwa für die Anlieferung der großen Flügel nicht zu viel Wald zerstört werden muss, halte ich das durchaus für sinnvoll.“
Christian Schlehäuser, der im Raum Marl insgesamt 90 Hektar Wald besitzt, hatte seinen Anteil am Arenbergischen Forst vor fünf Jahren vom Energiekonzern Steag gekauft. „Sicher erziele ich durch gelegentlichen Holzeinschlag Einnahmen, doch auch langfristig lassen sich so die permanent anfallenden Waldbetriebskosten kaum decken“, sagt der Forstwirt: „Waldbesitz in dieser Größenordnung ist eher Idealismus.“
Investition rechnet sich per Einspeisevergütung
Ein Windrad dagegen, da ist sich Schlehäuser sicher, wäre die erste Gelegenheit, vom Wald auch finanziell nachhaltig zu profitieren. „Mit einer soliden Wirtschaftlichkeitsberechnung kommt man an den notwendigen Bankkredit für die Errichtung der Anlage, die Einspeisevergütung sorgt für sichere Einnahmen über viele Jahre, nach zehn bis zwölf Jahren hat sich die Anlage amortisiert.“ Aber warum Waldflächen opfern für grünen Strom? Hier geht es zumindest auch um Wirtschaftlichkeit, wie Christian Schlehäuser erklärt: „Ackerland ist überaus begehrt, ein Hektar kostet 140.000 Euro, ein Hektar Wald nur 20.000 Euro, die Ersparnis ist offensichtlich.“
Stadt Marl will Amprion-Pläne stoppen
Der Stadt Marl gehören rund 150 Hektar des Arenbergischen Forsts. Der Zentrale Betriebshof (ZBH) pflegt den Wald und nimmt aktuell umfangreiche Anpflanzungen von Laubbäumen vor, um den Wald klimafest zu machen und für künftige Generationen als grüne Lunge und Naherholungsgebiet zu erhalten. Die Stadt wehrt sich gegen Pläne des Stromnetzbetreibers Amprion, eine Stromautobahn mit einer 40 Meter breiten Bauschneise möglicherweise quer durch den Wald zu verlegen. Was Landwirt Christian Schlehäuser, der auf den Wiesen der Lippeauen seine Rinder weiden lässt, manchmal zweifeln lässt an seinen Windenergieplänen, sind mögliche Anfeindungen: „Wer ein Windrad im Wald errichtet, dem schlägt nicht nur Nächstenliebe entgegen, da gilt man schnell als geldgieriger Baummörder.“
Quelle: RN (DZ) vom 25. Februar 2025
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