Arbeitslosigkeit NRW – Hohe Verwaltungskosten

Kahlschlag der Konzerne treibt Arbeitslosigkeit und Verwaltungskosten hoch

Beim Bürgergeld gibt es viel Verwaltungsaufwand und große Unterschiede. Unternehmer fordern eine Reform, der DGB mehr Geld. – NRW fürchtet einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. „Die strukturelle Wirtschaftskrise wirkt sich natürlich immer stärker auch am Arbeitsmarkt aus. Das macht mir große Sorgen“, sagt Johannes Pöttering, Hauptgeschäftsführer von Unternehmer-NRW. „Viele Tausend Menschen leben in Sorge um ihre Zukunft“, warnt Anja Weber, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) NRW. „Der Strukturwandel geht aktuell mit einem dramatischen Abbau von Industriearbeitsplätzen einher. Thyssenkrupp und Ford sind nur die Spitze des Eisbergs.“ Jeden Tag höre man von Betrieben, die gut bezahlte Jobs abbauen. Im März waren in NRW 787.500 Menschen arbeitslos, im Winter wird womöglich die Marke von 800.000 wieder durchbrochen.
Umso wichtiger sind gute Vermittler. Doch beim Umgang mit Bürgergeldempfängern gibt es Unterschiede. Viele Jobcenter arbeiten ineffizient, findet die Bertelsmann-Stiftung, es werde teilweise viel für Verwaltung ausgegeben, die Vermittlungsquoten sinken. Die gute Nachricht: NRW steht besser da als der Bund. Das Gesamtbudget für Bürgergeldbezieher besteht aus Bürgergeld, Kosten der Unterkunft, Sozialabgaben, Eingliederungsleistungen, Verwaltungskosten. In NRW liegt der Anteil der Verwaltungskosten am Gesamtbudget bei 11,0 Prozent, bundesweit sind es 11,7 Prozent, so die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA). In NRW werden 8,1 Prozent für Eingliederung genutzt, im Bund nur 7,2 Prozent.

Die schlechte Nachricht: Auch in NRW gibt es Unterschiede

Die Jobcenter in Euskirchen, Heinsberg und Kleve geben relativ viel für Verwaltung aus. Hier machen die Verwaltungskosten mehr als 13 Prozent des Budgets aus. Dagegen gibt es Jobcenter, bei denen der Anteil der Verwaltungskosten unter zehn Prozent liegt: in Mönchengladbach, in Dortmund, im Rhein-Kreis Neuss und in Essen. Am besten (9,4 Prozent) ist hier ausgerechnet Gelsenkirchen. Der Chef der Regionaldirektion, Roland Schüßler, betont, dass Verwaltungs- vor allem Personalkosten seien: „Das ist gut angelegtes Geld. Rund 90 Prozent unserer Jobcenter-Mitarbeiter sind unmittelbar in der Integrationsberatung von Kunden beschäftigt.“ Er führt die Unterschiede auf die Inflation zurück, die zu Tariferhöhungen, höheren Mietunterhalts- und Energiepreisen führe: „Das belastet insbesondere kleinere Jobcenter mit niedrigeren zugeteilten Budgets stärker. Um Einschnitte bei der Betreuung zu verhindern und die gestiegenen Ausgaben bei gleichbleibendem Budget bewältigen zu können, sind sie nicht selten dazu gezwungen, mehr Mittel aus dem Eingliederungstitel umzuschichten.“

DGB-Chefin Weber fordert mehr Geld

„Die Unterschiede beim Anteil der Verwaltungsausgaben sind vor allem Folge der chronischen Unterfinanzierung. Die nächste Bundesregierung muss endlich eine ausreichende Finanzierung der Jobcenter sicherstellen.“ Johannes Pöttering sieht dagegen Reformbedarf: „In den Jobcentern muss die Vermittlung in Arbeit viel mehr im Mittelpunkt stehen. Doch unser mittlerweile sehr komplexes Sozialsystem verhindert dies vielerorts.“ Es binde zu viele Ressourcen für Verwaltung, die dann für das Kerngeschäft Vermittlung nicht zur Verfügung stünden. Das müsse die Politik bei der Reform im Blick haben.

Union und SPD: Bürgergeld zur „neuen Grundsicherung“ umgestalten

Danach sollen Sanktionen verschärft und Preissteigerungen erst nachträglich zur Erhöhung der Hilfe führen. Viele Details sind noch umstritten. Pöttering fordert eine grundlegende Reform: „Derjenige, der arbeitet, muss mehr haben als derjenige, der nicht arbeitet. Es muss wieder unser Sozialstaatsprinzip des Förderns und Forderns deutlich werden.“ – BA-Experte Schüßler wünscht sich vor allem eine „praxisnahe Vereinfachung der Grundsicherung“.

Siehe auch: Arbeitslosigkeit (Artikelübersicht)
Siehe auch: Langzeitarbeitslose
Siehe auch: Beschäftigungsmarkt 2024 in NRW
Siehe auch: Arbeitslosigkeit 1930/31
Siehe auch: Arbeitsverträge befristet
Siehe auch: Arbeitslosigkeit 1991 bis 2021

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